Frank Reichert
Glückauf - Zeitschrift des Erzgebirgsvereins, 111 (2000) 7, S. 154


Ein Denkmal an die Leipziger Teilung

Im Jahr 1485 teilten die Brüder Ernst und Albrecht in Leipzig das bisher gemeinsam regierte Kurfürstentum Sachsen in zwei selbständige Reichsfürstentümer. Die neu entstandene innersächsische Landesgrenze ergab sich dabei aus den existierenden Grenzen der im Teilungsvertrag unter verschiedene Landeshoheit gestellten landesherrlichen Amtsbezirke und abhängigen Adelsherrschaften - eine spezielle Grenzziehung wurde zunächst nicht für notwendig erachtet.

Als im Jahr 1547 infolge des Schmalkaldischen Krieges, der Entscheidungsschlacht von Mühlberg und der Wittenberger Kapitulation ein Großteil des bisherigen Kurfürstentums Sachsen von Johann Friedrich dem Großmütigen auf den nunmehrigen Kurfürsten Moritz überging, fielen durch die Angliederung der hinzugewonnenen Territorien zahlreiche ehemalige Landesgrenzen weg. Eine dieser 1547 weggefallenen Landesgrenzen war die Grenze zwischen den Ämtern Annaberg und Schlettau.

Dort waren auf einem Abschnitt im Jahr 1855 noch 15 Grenzsteine vorhanden. Nach der damals erschienenen Ortsgeschichte "Rückblicke auf Annabergs und seiner Umgebung Vorzeit" standen diese "längs dem Fußsteige, der von Buchholz nach Königswalde führt. Es sind roh behauene etwa 1 Elle hohe, Ellen breite und 3/8 Ellen dicke Granitblöcke". Lediglich ein einziges dieser wertvollen Denkmale hat sich an geschützter Stelle im Tal zwischen dem Besucherbergwerk "Dorotheastolln" in Cunnersdorf und der Annaberg-Buchholzer Hausmülldeponie "Himmlisch Heer" erhalten.

Bemerkenswert ist die sehr gut erhaltene, aus dem Stein herausgearbeitete Reliefdarstellung des sächsischen Herzogswappens auf der Annaberg zugewandten ehemals albertinischen Seite. Auf der 1485 ernestinisch gewordenen Seite sind auf einem Wappenschild nur noch schwach die erhabenen gekreuzten Kurschwerter erkennbar.

Einen Hinweis auf den mehr als 450 Jahre zurückliegenden Zeitpunkt der Steinsetzung gibt der Chronist Christian Meltzer, indem er in seiner "Historischen Beschreibung des St. Catharinenbergs im Buchholz" anmerkt, daß mit diesen Grenzsteinen "dazumahl die Churfürstl. Buchholzische und die Herzog-Sächßische Annabergische Berg-Revier unterschieden und so fort des Himmlischen Heers F[und]gr[ube] mit seinen Maaßen uff der Rückerswalder und deßen Gegendrumb mit seinen Maaßen uff der Cunnersdorfer Revier erkennet" werden konnte. Die hier erwähnte Bergbautätigkeit begann 1530 im großen Stil, als in der 4. und 5. Maaß der St. Dorothea Grube eine außerordentlich hohe Ausbeute von 87 Gulden je Kux erzielt wurde. In der Folgezeit entstanden auf dem Himmlischen Heer beiderseits der Landesgrenze zahlreiche neue Gruben. Es ist deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Grenzsteine etwa 1530 gesetzt wurden, um Klarheit wegen des von den Gruben an den jeweiligen Landesherrn abzuliefernden Bergzehnten zu schaffen.

Ein noch älterer erhaltener Landesgrenzstein ist in Sachsen bisher nicht bekannt.